Menü

Frankfurts Synagogen und Gebetsräume stehen allen Betenden offen

Die bedeutendste Synagoge Frankfurts ist sicherlich das mehr als 100 Jahre alte Gebäude an der Freiherr-vom-Stein-Straße. Doch wer zum Gebet gehen möchte, hat noch weit mehr Auswahl.

Die größte Synagoge Frankfurts ist die Westend-Synagoge an der Freiherr-vom-Stein-Straße. Das Gebäude hat die Reichspogromnacht wie auch die weiteren Jahre der NS-Herrschaft – wenn auch stark beschädigt – überdauert. Innerhalb des Synagogen-Gebäudes ist auch das so genannte Stibl, das Beth-Hamidrasch Westend, untergebracht. Es ist u.a. vom ultra-orthodoxen Ritus der Chabad-Bewegung geprägt. Tagsüber wird das "Stibl" von der Jeschiwa Gedolah genutzt. Zudem beherbergt das Gebäude den Egalitären Minjan unter der Leitung von Rabbinerin Dr. Elisa Klapheck.

Die zweite zentrale Synagoge ist die Baumweg-Synagoge. Sie liegt im Ostend und bietet ebenfalls regelmäßige Gebetszeiten. Weitere Synagogen sind die Atereth-Zwi-Synagoge im Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde an der Bornheimer Landwehr und Synagoge in die der Henry und Emma Budge-Stiftung. Die dort amtierenden Rabbiner, Shlomo Raskin und Andy Steiman, freuen sich, wenn auch junge Menschen zum Beten kommen.

Ein weiterer Gebetsraum ist nicht direkt in Frankfurt, sondern in der Außenstelle Bad Homburg zu finden.

Auch am Frankfurter Flughafen gibt es Gebetsräume für jüdische Reisende:

  • Terminal 1, Bereich C, Ebene 2 (Abflug)
  • Terminal 1, Bereich B, Transitbereich
  • Terminal 2, Bereich D, Ebene 3 (Abflug, nach der Sicherheitskontrolle)

Die Westend-Synagoge

Mit einer wechselvollen, mehr als 100-jährigen Geschichte

Die Synagoge im Frankfurter Westend wurde 1910 eingeweiht. Als einzige der vier großen Synagogen der Stadt wurde sie von den Nationalsozialisten nicht völlig zerstört.

Die Frankfurter Westend-Synagoge ist ein architektonisches Schmuckstück und schon allein wegen ihrer prachtvollen Kuppel einen Besuch wert. Der Ursprungsbau an der früheren Königsteiner Straße - der heutigen Freiherr-vom-Stein-Straße - wurde nach zwei Jahren Bauzeit am 28. September 1910 eingeweiht. Der Innenraum zählte zu den am aufwändigsten gestalteten Synagogen-Innenräumen Deutschlands. Die Sitzplätze der Frauen waren nicht auf die Empore beschränkt, sondern befanden sich - wie auch die der Männer - unten, allerdings waren die Geschlechter weiterhin nach linkem und rechtem Mittelschiff (bzw. Seitenschiffen) getrennt. Zudem beherbergte die Synagoge eine Orgel.

An den Hohen Feiertagen war die unter den Rabbinern Caesar Seligmann, Arnold Lazarus und Georg Salzberger liberal geführte Synagoge so überfüllt, dass nach 1918 ein zusätzlicher G“ttesdienst in der Aula des Philanthropins eingeführt wurde.

Vorläufer der Westend-Synagoge war das Bethaus der Privatvereinigung Westend-Union (Immanu-El-Verein) in der Niedenau 21 gewesen. Es war 1868 vom Reform-Rabbiner Leopold Stein eingeweiht worden.

Beschädigung und Wiederaufbau

Als einzige von ehemals vier großen Frankfurter Synagogen überstand die Westend-Synagoge, wenn auch schwer beschädigt, das Novemberpogrom 1938 und die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs. Während des Krieges diente die Westend-Synagoge zunächst als Kulissenlager für das Opernhaus und später als Lager für Möbel „fliegergeschädigter Volksgenossen“. Am 20. März 1944 fielen bei einem Fliegerangriff auf Frankfurt Brandbomben in die Synagoge und zerstörten, was in der so genannten „Reichskristallnacht“ nicht zerstört worden war.

Von den über 11.000 in Konzentrations- und Vernichtungslager deportierten Frankfurter Juden hatten bei Kriegsende nur wenige überlebt. Anfang September 1945, am Vorabend von Rosch Haschana (Neujahrsfest), kamen einige der Überlebenden sowie jüdisch-amerikanische Besatzungssoldaten in der notdürftig instand gesetzten Westend-Synagoge zusammen. Rabbiner Dr. Leopold Neuhaus, letzter Rabbiner der Frankfurter Jüdischen Gemeinde bis 1942 und erster Rabbiner der „neuen“ Jüdischen Gemeinde nach 1945, hielt die Weihrede.

Im Juni 1948 begannen im Rahmen des „Wiedergutmachungsprogramms“ die Arbeiten zur Neugestaltung der Westend-Synagoge. Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen hatten hierfür 800.000 Mark zur Verfügung gestellt. Die für den Aufbau verantwortlichen Architekten Max Kemper und Werner Hebebrand vereinfachten in Zusammenarbeit mit dem Maler und Grafiker Hans Leistikow das Synagogen-Innere - von der alten Pracht blieb wenig übrig.

Die 1948 neu gegründete Jüdische Gemeinde bestand zum überwiegenden Teil aus osteuropäischen Überlebenden der Shoah, die in einem orthodox geprägten Umfeld aufgewachsen waren und an dieser Form des Judentums als Erinnerung an ihre Familien und ihre Lebenszusammenhänge vor der Zerstörung festhalten wollten, auch wenn sie in der Regel die Gebote des orthodoxen Judentums nicht streng einhielten. Seit der Neueinweihung fungiert die Synagoge deshalb als orthodoxe Einrichtung, Männer und Frauen sitzen getrennt, die vorhandene Orgel wird im Gottesdienst nicht eingesetzt.

Die offizielle Neueinweihung der Westend-Synagoge im Nachkriegsdeutschland fand am 6. September 1950 statt und stand unter der Ägide der liberalen Rabbiner. Georg Salzberger, der nach London emigriert war, und der amtierende Rabbiner Wilhelm Weinberg hielten die Festansprachen, aus Paris reiste ein Synagogenchor an.

Eine neue Ära

Zwischen 1980 und 1984 wurde die größte Kultstätte der Jüdischen Gemeinde durch eine vom Gemeinderatsmitglied Dr. Henryk Gelbart ins Leben gerufene Aktion „Rettet die Westend-Synagoge“ von außen renoviert. Danach erstrahlte der im Laufe der Jahrzehnte schwarz gewordene Muschelkalk wieder in alter Eleganz. Zwischen 1988 und 1994 wurde nach Plänen des Architekten Henryk Isenberg und unter dessen künstlerischer Leitung das Innere der Westend-Synagoge neu gestaltet.

Egalitärer Minjan

Nach dem Abzug der US-Armee aus Frankfurt Mitte der neunziger Jahre begründete eine Gruppe jüngerer Gemeindemitglieder, die regelmäßig die liberal ausgerichteten G“ttesdienste in der US Central Chapel besucht hatten, erneut einen liberalen G‘‘ttesdienst in Frankfurt. Zuerst wurden die G“ttesdienste an verschiedenen Örtlichkeiten abgehalten, bis sie ab Ende der 90er-Jahre auf Einladung des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Ignatz Bubis, im Gemeindezentrum stattfanden. Unter dem Namen „Egalitärer Minjan“ ist diese Gruppe inzwischen ein fester Bestandteil der Jüdischen Gemeinde, wird von Rabbinerin Elisa Klapheck betreut und hat seit Oktober 2007 ihren festen Standort in der kleinen ehemaligen Wochentags-Synagoge innerhalb des Gebäudes der Westend-Synagoge. Damit ist das liberale Judentum in Frankfurt wieder an den Ort seiner Wurzeln zurückgekehrt.

Jeschiwa Gedolah

Neben dem Egalitären Minjan wurde im Jahr 2001 mit der Gründung des Talmudseminars „Jeschiwa Gedolah“ der ultraorthodoxen Chabad-Bewegung, die ihren Unterricht im Bet Ha-Midrasch, dem ehemaligen Trausaal der Westend-Synagoge, abhält, auch die orthodoxe Richtung in der Gemeinde und der Synagoge gestärkt. Die Studenten unterweisen die Gemeindemitglieder in Thora, Talmud und der Ausübung der Religionsgesetze und führen die täglichen Morgen- und Abendgottesdienste durch. Der zentrale Raum der Westend-Synagoge, in dem die überwiegende Mehrheit der Gemeindemitglieder ihre Gottesdienste feiert, untersteht der Aufsicht der Rabbiner Avichai Apel und Julien-Chaim Soussan, die beide das orthodoxe Judentum vertreten.

Die Westend-Synagoge ist damit die zentrale jüdische Gebetsstätte Frankfurts - und bietet allen Richtungen innerhalb der Jüdischen Gemeinde ein Zuhause.

Westend-Synagoge

Freiherr-vom-Stein-Straße 30, 60323 Frankfurt

Telefon 069 / 76 80 36 420

Beth-Hamidrasch Westend "Shtibl"

Im ehemaligen Hochzeitssaal im rechten Anbau der Westend-Synagoge findet täglich der streng orthodoxe G'ottesdienst statt. Hier ist auch die Jeschiwa Gedola beheimatet.

Baumweg-Synagoge

Baumweg 5-7
60316 Frankfurt am Main
www.baumweg-synagoge.de

Atereth Zvi-Synagoge

Im ursprünglich 1973-1977 nach Plänen des Architekten Hermann Zvi Guttmann erbauten und 2005 neu errichteten Altenzentrum befindet sich die Synagoge Atereth Zvi.

Bornheimer Landwehr 79b
60385 Frankfurt
www.altenzentrum.jg-ffm.de

Außenstelle Bad Homburg

Jüdisches Zentrum Bad Homburg
Höhestraße 28
61348 Bad Homburg

Gebetraum des Egalitären Minjans

Der Egalitäre Minjan ist die liberale Synagoge der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, der von Rabbinerin Prof. Dr. Elisa Klapheck und von Chasan Daniel Kempin geleitet wird. Die G'ttesdienste finden im linken Anbau der Westend-Synagoge, Freiherr-vom-Stein-Straße, statt.

www.minjan-ffm.de

Synagoge in der Budge-Stiftung

Henry und Emma Budge-Stiftung
Wilhemshöherstraße 279
60389 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 47 87 710
E-Mail: rabbi@budge-stiftung.de

Schlomo Reiss-Synagogen-Chor

Der Schlomo Reiss-Synagogen-Chor sucht engagierte Sänger, die ein musikalisches Grundverständnis haben und bereit sind, in der Westend-Synagoge den G"ttesdienst zu begleiten.

Interessierte ab 17 Jahre melden sich beim Chorleiter, Benjamin Brainman, unter 0178 - 178 33 52 oder benjaminbrainman@hotmail.com an.

Kontakt

Rabbinat der Jüdischen Gemeinde
Westendstraße 43
60325 Frankfurt am Main

 069 / 76 80 36 400 oder -420
 rabbinat@jg-ffm.de

Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr

Termine

Das könnte Sie auch interessieren

Gebetszeiten & Gebetsordnung (...)

Das Rabbinat der Jüdischen Gemeinde (...)