Jüdische Friedhöfe in Frankfurt

Im heutigen Frankfurter Stadtgebiet gibt es zwölf jüdische Friedhöfe. Drei dieser Friedhöfe haben einen unmittelbaren Bezug zu der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Es sind die Friedhöfe Battonstraße, Rat-Beil-Straße und Eckenheimer Landstraße. Die weiteren Friedhöfe sind kleine, nicht mehr benutzte Grabplätze jüdischer Gemeinden in früheren Frankfurter Vororten wie Rödelheim, Heddernheim oder Bergen-Enkheim.

 

Der älteste Hinweis auf einen jüdischen Beerdigungsplatz in Frankfurt am Main führt in die Nähe des Doms. Hier befand sich um das Jahr 1150 die erste jüdische Ansiedlung in der Stadt. Am früheren Garküchenplatz wurden beim Wiederaufbau Frankfurts nach 1945 zahlreiche Gebeine im frühen Mittelalter bestatteter Frankfurter Juden gefunden. Sie wurden neben der großen Kreuzigungsgruppe am Dom wieder beerdigt.

 

Friedhof Battonstraße

Der Friedhof in der Battonstraße wurde bereits im Mittelalter angelegt. Es ist der älteste jüdische Friedhof in Frankfurt und nach Worms der zweitälteste in Deutschland. Der früheste Grabstein ist auf das Jahr 1272 datiert. Bis zum 16. Jahrhundert diente der Friedhof auch den jüdischen Gemeinden aus der Umgebung von Wetzlar bis Aschaffenburg als Begräbnisplatz. Als der Friedhof im 13. Jahrhundert angelegt wurde, lag er noch außerhalb der Stadtmauern. Bei der Stadterweiterung 1333 wurde er in das Frankfurter Stadtgebiet mit einbezogen. Als 1462 die Frankfurter Juden vom Rat der Stadt gezwungen wurden, ihr Siedlungsgebiet am Dom zu verlassen, wurde mit dem Wollgraben vor der alten staufischen Stadtmauer bewusst ein Areal in der Nähe des Friedhofs als Standort des zu errichtenden Gettos, der Judengasse, gewählt.

 

friedhofsmauer in der battonstraeHeute grenzt der Friedhof an den Börneplatz, wo sich das Museum Judengasse und die Gedenkstätte an die in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 zerstörteBörneplatz-Synagoge befinden. Die Friedhofsmauer selbst ist seit 1996 zu einer Gedenk- stätte umgestaltet worden. Sie erinnert an die 12.000 aus Frankfurt deportierten und ermordeten Juden, darunter auch Anne Frank.

 

Friedhofsmauer in der Battonstraße 
mit den Gedenktafeln


Bis 1828 wurde der Friedhof in der Battonstraße als Begräbnisplatz der Frankfurter Gemeinde benutzt. Auf dem ca. 12.000 qm großen Areal befanden sich bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 6.500 Grabsteine, die überwiegend aus dem in Frankfurt verwendeten roten Sandstein gefertigt sind. Während die älteren Grabsteine klein und schmucklos sind, weisen die späteren Steine die Hauszeichen der Verstorbenen auf. Diese Hauszeichen waren zugleich auch die Familiennamen.

 

segnende hnde

levitenkanne

Auf den Gräbern findet man neben den bereits damals üblichen Symbolen wie die segnenden Priesterhände und die Levitenkanne, auch Symbole wie "Reuse", "Mond", "Krug" oder "Schilder".

Segnende Hände und die Levitenkanne gehören 

zu den gängigsten Symbolen auf jüdischen
Gräbern.

 

Der größte Teil des Friedhofs wurde 1943/44 während der Bombenangriffe auf Frankfurt zerstört. Allein das östliche Feld ist weitgehend erhalten geblieben und bietet ein beeindruckendes Bild eines mittelalterlichen jüdischen Friedhofs.

oestliches grabfeld

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Das östliche Grabfeld auf dem Friedhof Battonstraße

 

 grab meyer amschelZu den bekanntesten Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof Battonstraße beerdigt wurden, gehört Mayer Amschel Rothschild, der Begründer der heute noch existierenden Bankdynastie. Das Grab stammt aus dem Jahr 1812.

 

 

 

 

Das Grab von Meyer Amschel
Rothschild, gestorben
Samstag, 19. September 1812.

 

Etwa 175 weitere wertvolle Grabsteine, die vor den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs gerettet werden konnten, wurden nach der Instandsetzung des Friedhofs in den fünfziger Jahren entlang der Innenseite der Friedhofs-mauer aufgestellt. Weitere Grabsteine von bedeutenden Persönlichkeiten stehen auf dem Ehrenfeld im Südwest-Teil des Areals. Darunter befinden sich die Gräber der Rabbiner Josua Falk, Nathan Adler, Meir Schiff Katz und Pinchas ben Zwi Horowitz.

 

Der Schlüssel für den Besuch des Friedhofs ist bei Hinterlassung des Personalausweises in der Verwaltung des Museums Judengasse, Kurt-Schumacher-Straße 10, erhältlich.

 

 

Friedhof Rat-Beil-Straße 10


Der Friedhof in der Rat-Beil-Straße wurde 1828 angelegt. Das Friedhofsfeld erstreckt sich über ein Areal von ca. 74.000 m² und wird von drei Seiten vom Frankfurter Hauptfriedhof eingeschlossen. Das streng klassizistische Portal wurde nach Plänen des Architekten Fritz Rumpf erbaut und spiegelt architektonisch bereits das neue durch die Emanzipation geprägte Selbstverständnis der Frankfurter Juden wider. Die hebräische Inschrift über dem Eingang lautet: "Wer geraden Weges wandelt, ziehe in Frieden, dorthin, wo sie auf ihren Lagern ruhen" (Jesaja 57,2).


Das neue durch die Emanzipation geprägte politisch-religiöse Selbstverständnis der Frankfurter Juden findet sich auch in der Grabsteinkunst wieder. Entsprachen die Steine in den ersten Jahren nach 1828 noch dem gewohnten alten Stil, wurden sie im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr nach Belieben und den finanziellen Möglichkeiten der Hinterbliebenen gestaltet. Insofern finden sich auf dem Friedhof in der Rat-Beil-Straße  zahlreiche prunkvolle Grabmäler im Geschmack und Stil des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

 

Zahlreiche berühmte Frankfurter Persönlichkeiten sind auf dem Friedhof in der Rat-Beil-Straße beigesetzt. Darunter weitere Mitglieder der Familie Rothschild, der wohl bekannteste jüdische Maler Frankfurts, Moritz Daniel Oppenheim (1799-1882), der Nobelpreisträger Paul Ehrlich (1854-1915), die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim (1859-1936), der Begründer der "Casella Farbenwerke Mainkur" Leopold Casella (1766-1847), der Begründer der Frankfurter Zeitung (heute FAZ) Leopold Sonnemann (1831-1909), ferner die Philanthropen Henry und Emma Budge und Charles Hallgarten (1838-1908) sowie der Historiker Isidor Kracauer.

 

graeber rothschild

Die Gräber von Angehörigen

der Familie Rotschild

 

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Das Grab von Bertha Pappenheim

und ihrer Mutter Recha Pappenheim

 

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Das Grab von Charlas Hallgarten

 

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Das Grab von Isidor Krakauer

 

grab oppenheim

Das Grab von Moritz Daniel
Oppenheim

 

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Das Grab von Leopold
Cassela

 

grab budge

Die Grabstätte von Henry
und Emma Budge

 

Durch die Gräber von Rabbiner Samson Rafael Hirsch und des Rebben Israel von Stolin, der 1921 während eines Kuraufenthalts in BadNauheim verstorben ist, istder Friedhof in der Rat-Beil-Straße im Laufe der Jahre zu einer Pilgerstätte für orthodoxe Juden aus der ganzen Welt geworden. Ähnlich wie ander Klagemauer in Jerusalem werden an das schlichte Grab des Wunderrabbis Wunschzettel geheftet und Gedenkkerzen angezündet. Weitere Rabbiner, die im Laufe des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankfurt am Main tätig waren, sind ebenfalls hier beigesetzt. Darunter der Nachfolger von Samson Raphael Hirsch, Salomon Breuer (1850-1926) sowie die Rabbiner der liberalen Bewegung Markus Horowitz (1844-1910) und Nehemia Anton Nobel (1871-1922).

 

grab reben

Das Grab des Stoliner
Rebben

 

 

 

 

 

 

grab hirsch

und das Grab von Rabbiner Samson 
Rafael Hirsch sind bekannte Pilgerstätten
für orthodoxe Juden aus der ganzen Welt.

graeber ersterwk

Gräber der im Ersten Welkrieg gefallenen
jüdischen Soldaten

 

Nachdem sich die 1851 gegründete orthodoxe "Israelitische Religions- gemeinschaft" (IRG) vom zunehmenden Reformkurs der Frankfurter Gemeinde abwandte und 1876 aus der Hauptgemeine austrat, erwarb sie im selben Jahr auch ein eigenes Beerdigungsfeld. Zum Zeitpunkt des Ankaufs grenzte das Grundstück an die östliche Mauer des Rat-Beil-Friedhofs.

 

Nach späteren Erweiterungen wurde das Gräberfeld der IRG mit der entsprechenden Mauer in den Friedhof der Hauptgemeinde integriert. Die Gräber sind hier in dem früher üblichen schlichten Stil gehalten.

 

Anlässlich der Tage des offenen Denkmals und im Rahmen der Jüdischen Volkshochschule finden auf dem Friedhof Rat-Beil-Straße regelmäßig Führungen statt.


Informationen entnehmen Sie bitte der Tagespresse oder informieren Sie sich bei der Verwaltung des Jüdischen Friedhofs, Telefon: 069 - 56 18 26, Internet: http://www.jewish-online.de/Friedhoefe.html

 

 

Friedhof Eckenheimer Landstraße 238

ehrendenkmalDer neue Jüdische Friedhof in der Eckenheimer Landstraße dient seit 1928 als Beerdigungsfeld der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Das Areal grenzt südlich an den Frankfurter Hauptfriedhof an und umfasst eine Fläche von ca. 54.500 m².

 

 Das Ehrendenkmal für  die in der Zeit des Natio-
 nalsozialismus ermordeten Frankfurter Juden.

 

Der Vorplatz und die angrenzenden Friedhofsgebäude wurden im Stil der neuen Sachlichkeit von Regierungsbaumeister Fritz Nathan in braunen Klinkersteinen erbaut. Drei nebeneinander liegende Pforten bilden das Hauptportal, das die hebräische Inschrift "Die in Geradheit gewandelt, kommen zum Frieden und ruhen auf ihren Lagern" (Psalm 116.9) trägt. In deutscher Sprache wiederholt sich der Vers auf dem Fries des gegenüberliegenden auf das Gräberfeld führenden Portals. Bis heute befinden sich hier mehr als 8.000        Gräber. Die mittlere Hauptachse ist mit einer Menora abgeschlossen.

 

grab fuerthgrab rosenzweiggrab blauIm vorderen Bereich des Friedhofs befindet sich das Ehrenmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Frankfurter Juden, das Grab des ersten Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde bis 1939, Dr. Julius Blau, und die Grabstätte des 1929 verstorbenen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig. Ebenso befinden sich im vorderen Bereich des Friedhofsareals Gräber aktiver Mitglieder der Jüdischen Gemeinde der Nachkriegszeit. Die 1938 verstobene Frankfurter Sozialpolitikerin Henriette Fürth ist ebenfalls auf dem Friedhof in der Eckenheimer Landstraße beerdigt.

 

allee

Etwa 800 Gräber von Frankfurter Juden, die sich in den Jahren 1938 bis 1943 der nationalsozialistischen Verfolgung und Deportation durch Freitod entzogen haben, befinden sich im vorderen Teil des Friedhofsareals. Sie bieten ein eindrucksvolles Zeugnis dieser tragischen historischen Ereignisse.

Die Allee mit den Gräbern der in den Jahren 1938 bis 1942  durch Freitod verstorbenen Mitglieder der Frankfurter Israelitischen Gemeinde.

 

Weitere jüdische Friedhöfe im Frankfurter Stadtgebiet und in der Frankfurter Umgebung

Durch die Eingemeindung zahlreicher Frankfurter Vororte im 19. und 20. Jahrhundert gibt es weitere kleinere, nicht mehr benutzte jüdische Friedhöfe im Frankfurter Stadtgebiet. Diese Friedhöfe sind für Besucher nicht zugänglich. Es handelt sich um:

 

  • Friedhöfe in Bergen-Enkheim am Weißen Turm und in der Vilbeler Straße
  • Friedhof Bockenheim, Sophienstraße
  • Friedhof Griesheim, Heinrich-Hardt-Straße (innerhalb des christlichen Friedhofs)
  • Friedhof Heddernheim, In der Römerstadt
  • Friedhöfe in Niederursel und Urselbachtal, beide Oberurseler Weg
  • Friedhöfe in Rödelheim, Zentmarkweg, hinter der Straße Am Seedamm und Westerbachstraße (innerhalb des christlichen Friedhofs)
  • Friedhof Fechenheim / Offenbach (in der Nähe des Schultheißweihers)

 

Weiterführende Literatur

  • Michael Brocke: Der alte jüdische Friedhof zu Frankfurt am Main: unbekannte Denkmäler und Inschriften. Sigmaringen 1996
  • Adolf Diamant: Durch Freitod aus dem Leben geschiedene Frankfurter Juden 1938-1943. Frankfurt am Main 1983
  • Institut für Stadtgeschichte (Hrsg.): Orte der Erinnerung. Juden in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 1996
  • Michael Lenarz: Der alte jüdische Friedhof zu Frankfurt am Main. (Hg.): Jüdisches Museum Frankfurt am Main, 1996
  • Klaus Meier-Ude und Valentin Senger: Die Jüdischen Friedhöfe in Frankfurt am Main. Fachhochschulverlag, Frankfurt am Main 2004

 

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Verwaltung:    Majer Szanckower

Adresse:          Eckenheimer Landstraße 238

60320 Frankfurt am Main

Telefon:          069 – 76 80 36 790

Telefax:           069 – 76 80 36 799

E-Mail:            This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Internet:           http://www.jewish-online.de/friedhoefe.html

 

 

Öffnungszeiten
Friedhof Eckenheimer Landstraße 238

Täglich außer Samstag und den Jüdischen Feiertagen

Oktober bis März:      7.00 bis 16.00 Uhr

Freitag:                       7.00 bis 15.00 Uhr

April bis September:   7.00 bis 19.00 Uhr

Freitag:                       7.00 bis 18.00 Uhr

 

 

Friedhof Rat-Beil-Straße 10

Täglich außer Samstag und Jüdischen Feiertagen

Sommer:                     8.30 bis 18.00 Uhr

Winter:                       8.30 bis 16.00 Uhr

 

 

Friedhof Battonstraße

Der Schlüssel für den Besuch des Friedhofs kann bei Hinterlegung des

Personalausweises in der Verwaltung des Museums Judengasse,

Kurt-Schumacher-Straße 10, abgeholt werden.


Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr

Mittwoch                    10.00 bis 20.00 Uhr

Montag geschlossen

Telefon:                      069 – 29 77 419

 

 

Weitere jüdische Friedhöfe im Frankfurter Stadtgebiet und in der Frankfurter Umgebung

Durch die Eingemeindung zahlreicher Frankfurter Vororte im 19. und 20. Jahrhundert gibt es weitere kleinere, nicht mehr benutzte jüdische Friedhöfe im Frankfurter Stadtgebiet. Diese Friedhöfe sind für Besucher nicht zugänglich. Es handelt sich um:


Friedhöfe in Bergen-Enkheim am Weißen Turm und in der Vilbeler Straße

Friedhof Bockenheim, Sophienstraße

Friedhof Griesheim, Heinrich-Hardt-Straße (innerhalb des christlichen Friedhofs)

Friedhof Heddernheim, In der Römerstadt

Friedhöfe in Niederursel und Urselbachtal, beide Oberurseler Weg

Friedhöfe in Rödelheim, Zentmarkweg, hinter der Straße Am Seedamm und Westerbachstraße (innerhalb des christlichen Friedhofs)

Friedhof Fechenheim / Offenbach (in der Nähe des Schultheißweihers)

Weiterführende Literatur:

Michael Brocke: Der alte jüdische Friedhof zu Frankfurt am Main: unbekannte Denkmäler und Inschriften. Sigmaringen 1996

 

Adolf Diamant: Durch Freitod aus dem Leben geschiedene Frankfurter Juden 1938-1943. Frankfurt am Main 1983

 

Institut für Stadtgeschichte (Hrsg.): Orte der Erinnerung. Juden in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 1996

 

Michael Lenarz: Der alte jüdische Friedhof zu Frankfurt am Main. (Hg.): Jüdisches Museum Frankfurt am Main, 1996

 

Klaus Meier-Ude und Valentin Senger: Die Jüdischen Friedhöfe in Frankfurt am Main. Fachhochschulverlag, Frankfurt am Main 2004